Wenn Kinder trauern

Wenn Kinder trauern

Plötzlich ist es weg. Dieses strahlende Lächeln, die leuchtenden Augen, die gute Laune, das unbeschwerte Singen. Es ist einem erstarrten Gesichtsausdruck gewichen. Die Augen voll Verzweiflung. Hilflosigkeit und Leere. Ein Moment des Schocks.

Die Reaktion der Kinder auf die Todesnachricht brach mir fast das Herz. Und mir wurde klar, dass ich mich mit dem Thema Tod und Sterben näher auseinandersetzen muss, um die Kinder beim Trauern angemessen begleiten zu können. Auf diese Reise möchte ich euch gerne mitnehmen.

Als ich eines Morgens 2 unserer Meerschweinchen tot im Stall auffand, war ich geschockt. Eines davon war das Lieblingstier unserer 5-Jährigen. Wir haben es am Tag nach seiner Geburt zum ersten Mal gesehen, und duften es zu uns holen, als es nur wenige Wochen alt war. Bei seinem Tod war es gerade mal 1,5 Jahre alt. Der Stall steht auf der Terrasse, direkt am Fenster. Vom Esszimmer und Wohnzimmer aus immer in Sichtweite. Mehrmals täglich sind wir hinaus gegangen. Zum Füttern, pflegen zum Knuddeln oder einfach zum Beobachten. Wir lieben unsere Tiere und haben einen engen Bezug zu ihnen. Die Umstände des Todes waren tragisch. Und ich bin froh, dass ich die Tierchen gefunden habe. Den Anblick hätten die Kinder sicherlich nicht so einfach verkraftet.

Auch wenn der erste Kontakt der Kinder mit dem Tod „nur ein Tier“ war, war er heftig. Die geliebten Tiere so zu sehen, und der Moment, als ich die Kinder über deren Tod informieren musste, war für mich furchtbar. Das war der Anlass, mich mit dem Tod aus Kindersicht auseinanderzusetzen. Und dieser Beitrag ist mein Weg, mich diesem Thema zu nähern.

Umgang der Eltern mit dem Tod

Der Umgang mit Endlichkeit und Tod gehört nicht zu meinen Stärken. So gerne ich auch eine neue Herausforderung annehme. Große Veränderungen mag ich nicht. Und sicher sind mit dem Tod viele gravierende Veränderungen verbunden. In den letzten Jahren sind in unserem Umfeld einige Menschen aus der näheren und weitläufigeren Verwandtschaft gestorben. Und ich habe jedes Mal versucht, meine Trauer vor den Kindern zu verheimlichen, oder zumindest herunterzuspielen. Aber ist das richtig? Sicherlich nur bedingt.

Kinder haben so feine Antennen, dass sie die Emotionen und das Befinden ihrer Mitmenschen viel genauer spüren, als man annehmen könnte. Und ermutigen wir unsere Kinder nicht sonst immer, ehrlich ihre Gefühle zu zeigen? Ich denke, wir Erwachsenen sollten das auch tun. Wir sollten unseren Kindern zeigen, dass auch wir Erwachsenen traurig sein können. Dass auch wir Emotionen zeigen dürfen.

So trauern Kinder

Während man bei Erwachsenen von Trauerphasen spricht, trauern Kinder eher in Wellen. Das bedeutet, dass sie sehr sprunghaft zwischen guter Laune und extremer Traurigkeit schwanken können. Im einen Moment spielen sie unbeschwert, lachen und singen. Dann plötzlich schlagen die Emotionen um, und sie sind zu tiefst betrübt.

Oft sind trauernde Kinder launischer, ängstlicher, unsicherer und nicht selten unkonzentriert. Manchmal kommen bereits abgelegte Verhaltensweisen wieder zurück. Aber mit genug Rückhalt und Unterstützung kehren sie meist schnell zur Normalität zurück.

Generell ist Trauer eine normale Reaktion auf ein Verlustergebnis. Aber ein Verlust macht Kindern auch Angst. Sie fühlen sich hilflos und unsicher. Sie brauchen nun ein soziales Umfeld, das sie in ihrer Trauer unterstützt, und ihre Fragen geduldig beantwortet. Sie brauchen Geduld, Verständnis, Liebe und Zuwendung.

So erklärt man Kindern den Tod

Den Tod als Tabuthema auszuklammern, schafft Unsicherheit und ungeklärte Fragen. Das kann für Kinder eine große Belastung werden, und Ängste entstehen lassen. Je klarer die Worte, desto weniger Spielraum besteht für Spekulationen. Daher ist es wichtig, auch unbequeme Themen anzusprechen, zu erklären und zu diskutieren.

Wenn man Kindern die traurige Nachricht vom Tod mitteilen muss, sollte man einen passenden Moment wählen. Ein vertrauter, ruhiger Ort ohne Ablenkungen oder Störungen sollte es sein. Wichtig ist auch, Körperkontakt zu schaffen. Zum Beispiel, das Kind auf den Schoß nehmen, oder umarmen. Dann kann man einleitend sagen „ich muss dir etwas sehr sehr trauriges sagen“. Und dann kommt die Nachricht vom Tod. Kurz und knapp. Jetzt sollte das Kind Gelegenheit haben, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Dabei sollte es weiterhin körperliche Nähe erfahren. Nun kann man als Eltern auch die eigenen Emotionen formulieren. So weiß das Kind, dass es mit seinen Gefühlen nicht alleine ist.

Wenn der erste große Schock ein wenig abgeklungen ist, sollte man versuchen, mit den Kindern näher ins Gespräch zu kommen. Was ist genau passiert und wie geht es weiter. Deutliche Worte und klare Formulierungen sind weiterhin gefragt. Das Einbeziehen von Körperfunktionen kann das unterstützen: „er atmet nicht mehr“, „sein Herz schlägt nicht mehr“, „er kommt nicht mehr zurück“. Das klingt zwar hart, ist aber ehrlich: Und in einer solchen Situation brauchen Kinder Wahrheit und Klarheit. Auch ein Vergleich mit den Jahreszeiten kann hilfreich sein. Wie das Jahr Frühling, Sommer, Herbst und Winter hat, und nach dem Winter wieder ein Neuanfang kommt, so hat auch das Leben seinen Kreislauf.

Diese Urerfahrung menschlicher Existenz zu machen, ist wichtig für Kinder. Denn ihr ganzes Leben lang werden sie immer wieder in Berührung mit Tod und Sterben kommen.

Die christliche Komponente

Wer seine Kinder im christlichen Glauben erzieht, sollte noch einen Schritt weiter gehen, und die christliche Sicht der Dinge vermitteln: Wir Christen vertrauen darauf, nach dem Tod ein ewiges Leben bei Gott führen zu dürfen. An einem vollkommenen Ort, wo alles gut ist. Wo man alle bereits Verstorbenen wiedersehen wird.
„Aber wie kommt man denn aus dem Sarg unter der Erde hoch in den Himmel zu Gott?“, fragte unsere 5-jährige. Da erklärte ich ihr, dass der Körper im Grab bleibt. Aber die Seele, unser Innerstes, das was wir sind und wie wir sind, von Gott in den Himmel geholt wird. Das fand sie als Erklärung wohl plausibel. Denn ein paar Tage nach dieser Erklärung sah sie eine tote Fliege. Sie deutete darauf und sah mich an. Ich sagte zu ihr „die Fliege ist tot, jetzt ist sie im Himmel“. Und sie antwortete: „Nein, ist sie nicht. Sie liegt noch da. Aber ihre Seele ist im Himmel“.

Das brauchen trauernde Kinder

In erster Linie brauchen Kinder nun Rückhalt, körperliche Zuwendung und Verständnis. Eltern sollten ihre eigene Trauer auch zum Ausdruck bringen. So lernen Kinder, dass es wichtig ist, ihre eigenen Gefühle nicht zu unterdrücken. Wichtig ist auch, den Kindern zu sagen, dass sie jederzeit sagen dürfen, was sie bewegt. Dass sie immer kommen dürfen, wenn sie traurig sind. Und allle Fragen stellen dürfen, die sie wissen möchten. Außerdem ist es sinnvoll, Distanz zum Trauerort zu schaffen. Ein vertrautes Umfeld von Kindergarten und Schule gibt Kindern das Gefühl, dass alles wie gewohnt weiter geht. Aber auch gemeinsame Unternehmungen sind hilfreich.

Kinder brauchen nun viel Aktivität und Bewegung, um Stress abzubauen. Manche Kinder finden aber eher Ablenkung in ruhigen Beschäftigungen, wie malen, Musik hören,… Hier sollte das Wesen der Kinder berücksichtigt werden. Ein geregelter Tagesablauf und feste Rituale, vor allem am Abend, sind ebenfalls sehr wichtig.

Diese Rituale können helfen

Rituale sind wichtig auf dem Trauerweg. Denn sie verringern das Gefühl der Hilflosigkeit enorm.

Abschied am Grab

Ab welchem Alter Kinder zu Beerdigungen mitgenommen werden können, ist strittig. Ich denke, hier sollten Eltern auf ihr Bauchgefühl hören. Denn sie kennen ihre Kinder am Besten. Auch sollte der Wille des Kindes respektiert werden. Auf jeden Fall ist es ratsam, die Kinder über den Ablauf einer Bestattung zu informieren. Vielleicht gibt es ja auch die Gelegenheit, vorher mal einen Friedhof zu besuchen, und einen Blick in die Kapelle zu werfen. Während der Beerdigung ist die Nähe zu einer Bezugsperson wichtig. Auch Körperkontakt wie Hand halten vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Das Kind sollte zudem wissen, dass es jederzeit sagen darf, wenn es gehen mag. Eine weitere Bezugsperson, die das Kind in diesem Falle begleiten kann, ist hier von Vorteil. Vielleicht möchte es aber den Verstorbenen noch einmal sehen, oder etwas ins Grab legen. Eine Blume, einen Brief,… Auch hier kommt es auf Alter und Gemüt des Kindes an.

Wenn man ein Tier beerdigt, können die Kinder das Grab selbst gestalten. Wir haben Blumen darauf gelegt und aus kleinen Steinchen ein Herz gelegt.

Erinnerungen schaffen

Wichtig ist auch, die Gedanken an den Verstorbenen nicht wegzuschieben. Fotos oder Gegenstände, die an den Toten erinnern, sind hierbei wichtige Hilfestellungen. Das Kind soll schließlich nicht verdrängen, sondern verarbeiten.

Ein Gruß in den Himmel

Tod ist Abschied. Und Abschied nehmen, bedeutet loslassen. In der Gewissheit, dass der Verstorbene im Himmel sein ewiges Leben bei Gott lebt. Genau dafür haben wir unser perfektes Ritual gefunden. Die Kinder haben ein buntes Herz auf Papier gemalt. Die Größere mit einer geschriebenen Botschaft, die Kleine mit gemalten Mustern und Formen. Die Papierherzen haben sie dann ausgeschnitten, und an einen mit Helium gefüllten Ballon gebunden. Mit diesem Ballon standen wir dann auf der Terrasse. Die Kinder durften nun selbst entscheiden, wann sie den Ballon loslassen, und ihn mit ihrem Papierherz als Gruß in den Himmel schicken wollen. Als dann jede so weit war, standen wir da und blickten den Ballons nach. Bis sie in den Wolken verschwunden waren.

Das war ein sehr intensiver und tief gehender Moment – für die Kinder und auch für uns Eltern. Danach ging es uns allen dennoch ein Stückchen besser.

Die ersten Tage waren die schlimmsten. Unsere Kleine hat den ganzen Tag ein Foto mit sich herum getragen. Immer wieder hat sie es angesehen und gesagt „Ich kann gar nicht glauben, dass er nicht mehr da ist.“ Das Bild musste überall mit hin. Egal, wo wie war. Fast eine Woche lang. Dann wurde es etwas weniger.

Zum Glück sprechen unsere Kinder über ihre Gefühle. Wenn dann mal wieder ein Moment der Trauer kommt, und sie zutiefst traurig sind, schicken wir ganz viel Liebe hoch in den Himmel. Und wir spüren, wie Liebe zurück kommt. Manchmal sagen wir „Guten Morgen da oben im Himmel“, oder „gute Nacht“. Das hilft dann ein wenig.

Literarische Unterstützung

Auch Bücher können beim Thema Tod enorm helfen. Eltern finden in Ratgebern wichtige Tipps und Informationen. Kinder können sich kindgerecht und spielerisch damit auseinandersetzen. Die liebe Anna von Kinderbuch-Detektive hat freundlicherweise einige wertvolle Büchertipps rund um das Thema Tod für euch zusammengestellt:

weil du mir so fehlst„Weil du mir so fehlst“ ist ein ganz besonderes und wunderbar einfühlsames Buch für Kinder, die einen Verlust erlebt haben. Es ist ein Trauer- und Erinnerungsbuch zugleich. Darin begegnet uns ein Bär, dem es sehr schlecht geht. Er hängt seinen trübseligen Gedanken nach und hadert mit dem, was er erfahren muss. Einen Verlust zu erleben ist unfassbar anstrengend! Hin und wieder blitzen Hoffnungsschimmer auf, Tränen rollen und zwischen all dem Gefühlschaos gibt es kurze Wohlfühlmomente. Während wir den Bär durch das Buch begleiten und erleben wie er zwischen Verzweiflung, Hoffnung und vielem anderen schwankt, wird das trauernde Kind auf den Mitmachseiten immer wieder dazu angeregt, dieses Buch als einen Begleiter anzunehmen, mit dem man Gefühle, Gedanken und Erinnerungen teilen kann. Kinder können dieses Buch alleine oder mit einer vertrauten Person gemeinsam bearbeiten, die Altersempfehlung liebt bei 4-10 Jahren.

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Bikos letzter Tag„Bikos letzter Tag“ ist ein behutsames und tröstliches Bilderbuch über den Tod von einem geliebten Haustier. Der Familienhund ist bereits sehr alt und das Leben bereitet ihm zunehmend Mühe. Am liebsten würde er einfach schlafen, nichts als schlafen. Aber das geht nicht, denn er fühlt sich für seine Familie verantwortlich. Der Gang zum Tierarzt fällt der Familie schwer und Erinnerungen an die schöne Zeit mit ihm tauchen auf. Doch es ist gut und richtig, dass Biko endlich in Frieden ruhen darf. Der einfühlsame Text wird von zarten Bildern ergänzt, die genügend Raum lassen, damit der Sachverhalt auf die eigene Situation übertragen werden kann. Es eignet sich für Kinder ab ungefähr 3/4 Jahren.

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Wo gehst du hin, Opa?„Wo gehst du hin, Opa?“ Ist ein auffallend farbenfrohes Bilderbuch, was in Anbetracht der Thematik ungewohnt ist. Es ist sehr gut geeignet für sensible Kinder, die sich schnell fürchten. Emmi, die Enkeltochter, wird damit konfrontiert, dass ihr Opa schwer krank ist und wahrscheinlich nicht wieder gesund wird. Emmi möchte wissen, wohin er gehen wird und der Opa selbst antwortet ihr. Auf jeder Doppelseite stellt er eine Möglichkeit vor, wo er nach seinem Tod sein vielleicht wird. So nimmt dieses Buch einerseits Ängste vor dem Sterben und animiert gleichzeitig dazu, darüber zu philosophieren, was mit uns passiert, wenn wir sterben. Es ist ebenfalls ab 4 Jahren geeignet.

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Anmerkung:

Bei diesem Beitrag handelt es sich nicht um einen psychologisch fundierten Fachartikel. Es ist vielmehr mein eigenes Resümee aus meiner Recherche rund um das Thema Tod aus Kindersicht. Viele Informationen habe ich auf der Seite „Kindertrauer.info“ und in dem Buch „Trauernden Kindern Halt geben“ gefunden. Auch wenn das Thema Tod umbequem ist, sollte man darüber sprechen. Das ist mir jetzt klar.

Ich wünsche allen trauernden Kindern und Eltern viel Kraft und Trost!

*(Hinweis: Der Beitrag enthält Affiliate links. Wenn ihr direkt über die hinterlegten links kauft, bekomme ich eine Klitzekleine Vergütung dafür. Diese dient mir als Unterstützung zur Unterhaltung des Blogs. Vielen Dank dafür!)

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