Ich geh mit meiner Laterne – aber warum eigentlich?

Ich geh mit meiner Laterne – aber warum eigentlich?

Der Laternenumzug ist für unsere Kinder jedes Jahr ein Highlight. Es entsteht ja auch wirklich eine ganz besondere Stimmung, wenn die Kinder mit ihren Laternen „Licht ins Dunkel“ bringen (wie mehrdeutig das doch ist!). Aber was steckt eigentlich hinter dieser Tradition? Hier findet ihr heute einige Infos, Ideen und Geschichten rund um St. Martin.

Wer war St. Martin?

Martin von Tours wurde ca. um 316 n.Chr. in der römischen Provinz Pannonien (heutiges Ungarn) als Sohn eines römischen Offiziers geboren. Zu dieser Zeit wurde das römische Reich zum ersten Mal in der Geschichte von einem Kaiser regiert, der sich zum Christentum bekannte – Konstantin der Große.

Dies war für viele Menschen damals sehr gewöhnungsbedürftig. Auch Martins Familie stand dem christlichen Glauben eher skeptisch gegenüber.

Wie sein Vater es wünscht, wurde Martin mit etwa 15 Jahren Soldat in der römischen Armee. Er stieg schnell zum Offizier auf und gehörte wenig später sogar  zur Leibgarde Konstantin II. Während seiner zahlreichen Reisen begann er, sich für das Christentum zu interessieren.

Wie kam es zu der Mantelteilung?

Mit ungefähr 17 Jahren soll er in der französischen Stadt Amiens einem Bettler begegnet sein. Dieser war nur sehr spärlich bekleidet, und diese Winternacht war eisig kalt. Da hatte Martin Mitleid, und teilte seinen Mantel mit dem Schwert. Man muss dazu sagen, dass er damit Militäreigentum zerstörte. Es war also eine sehr mutige Tat, denn er wusste, dass er dafür bestraft werden könnte.

In dieser Nacht erschien ihm Jesus im Traum – als Bettler. Dies war für Martin ein Zeichen. Für ihn stand fest, dass er die Armee verlassen wollte. Das war aber erst nach Ablauf der festgesetzten 25 Jahre möglich. Vorher hatte man ihm den Austritt verweigert.

Wie wurde Martin zum Heiligen Martin?

Er war also knapp über 40 Jahre alt, als er sich endlich vollkommen in den Dienst Gottes stellen konnte. Martin wurde zum Priester ausgebildet und gründete später 2 Klöster in Frankreich.

Die Menschen verehrten ihn wegen seiner Hilfsbereitschaft und Gutherzigkeit. Viele Heilungen und Wundertaten wurden ihm zugeschrieben. Daher ernannten sie ihn schließlich zum Bischof, auch wenn er sich dieser Position als unwürdig empfand. Auch als Bischof lebte er bescheiden und ohne jeden Luxus.

Am 08.11.397 starb er nach 30 Jahren Amtszeit auf einer Reise. Zu seiner Beerdigung am 11.11. kamen zahlreiche Menschen, und nahmen Anteil an seinem Tod. Es war für viele ein schmerzlicher Verlust. Kurz nach seinem Tod sprach ihn der Pabst heilig. Er wurde außerdem zum Schutzpatron für einige Länder, Städte, Kirchen und verschiedener Berufe (z.B. Winzer, Schneider, Soldaten, Bettler, Reisende, Flüchtlinge,usw.)

St. Martin wurde zu einem der bekanntesten Heiligen der Katholischen Kirche. Auch in der evangelischen und orthodoxen Kirche wird er verehrt.

Wie entstand der Brauchtum um St. Martin?

St. Martin - LaterneLaternenumzug

Traditionsgemäß ziehen Kinder an St. Martin mit ihren Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder.

Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Martins Leichnam in einer Lichterprozession mit einem Boot nach Tours überführt wurde.

 

 

St. Martin - MartinsgansMartinsgans

Als Martin zum Bischof ernannt werden sollte, versteckte er sich aus Scham in einem Gänsestall. Das Geschnatter der Gänse hat ihn aber verraten und er wurde gefunden. So konnte er doch zum Bischof geweiht werden.

Daran soll wohl die Martinsgans als Festmahl erinnern. Bei uns werden süße Varianten aus Mürb- oder Hefeteig nach dem Laternenumzug an die Kinder verteilt.

 

 

St. Martin - MartinsfeuerMartinsfeuer

Nach dem Laternenumzug gibt es vielerorts ein Martinsfeuer. Ich finde es wundervoll, sich nach dem Gang durch die Straßen am Feuer wärmen zu können und beim Blick in die Flammen die Gedanken für einen kurzen Moment schweifen zu lassen. Dieser Brauch stammt wahrscheinlich vom Ritual des „Sommerverbrennens“, mit dem die Germanen den Sommer verabschiedeten und ihn sich für das nächste Jahr wieder herbei wünschten. Sicher kann es aber auch als Symbol verstanden werden, Licht ins Dunkel zu bringen, wie St. Martin mit seiner Mantelspende an den Bettler.

 

Was können wir aus diesem Tag „mitnehmen“?

 

Wir nutzen den Martinstag, um mit unseren Kindern über Hilfsbereitschaft sowie den Unterschied zwischen Arm und Reich zu sprechen. Dann wird auch jedes Jahr ein Paket gepackt, in das die Mädels klein gewordene Kleidung oder Schuhe, aber auch Spielsachen hineingeben. Dieses schicken wir dann bunt bemalt an eine Ordensschwester, die sich in der Slowakei um arme Kinder kümmert.

Sie feiert mit ihnen die Kirchenfeste, aber auch Geburtstage und versorgt sie mit Kleidung und Nahrung. Toll ist es, dass wir hin und wieder von ihr Fotos geschickt bekommen. So können sich meine Kinder ein Bild davon machen, wer ihre Sachen bekommen hat.

Fazit:

Meiner Meinung nach ist St. Martin eines der schönsten Feste im christlichen Kirchenjahr. In Zeiten fortschreitender Modernisierung alte Bräuche pflegen und sich im schnelllebigen Alltag die Zeit nehmen, mit fröhlich singenden Kindern durch die Straßen zu ziehen, finde ich wirklich wundervoll.

Auch das „Paket für die Armen Kinder“ ist bei uns zu einer schönen Tradition geworden. Und wenn wir es zur Post bringen, fühlen wir uns ein bisschen so wie Martin.

Hier findet ihr eine tolle Version der Martinsgeschichte sowie weitere Ideen und Anregungen zu St. Martin.

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